IM GEGENWIND

Marohn über Marohn

VERMUTUNGEN

 

Dass ich gerecht wär, behaupt ich
Nicht – Wahrheit
Macht glücklich?

Wann wär ich geboren? Die zwanziger Jahre
Bewahre ich lebhaft, da war ich jung, unruhig:
Rosa erst, dann mehr und mehr Leichen, unerbittlich
Hoelz: als sogenannter Angeklagter – der ich
Nicht bin – denn ich bin der Kläger! Der putschende
Röhm im Münchner Wehrkreis, wo längst Berlin
Auf der Weltbühne: Blandine mit Hollaender
Marinus, verspätet die Fackel, für allemal
Auf Race Records Ma Rainey, Clara und Bessie Smith.

Ich muss von Bauern abstammen, stubenrein:
Zwischen Rüben, Kartoffeln, Hunden, noch mehr
Katzen – mein Blick ist der Blick von unten. Mein Organ ist das Ohr.
Es gibt zu viel, was in Worten
Nicht aufgeht, in Tönen ganz. Ich bin der Hörer der Welt 
Hör sie zu Ende. Mein Instrument das Cello. Meine Zahl
Die Vier. Für meine Gesundheit vier bierfreie Wochen
Im Jahr. Natürlich nicht ununterbrochen. 

Ich muss? Kindheit? Kann nicht gewesen sein
Mir fällt so gut wie nichts ein, was hierin den
Zusammenhang deckt. Wer nicht hören will, muss
Wen bei Billie Sodbrennen anfällt, der kann
Von Bessie  nicht genug bekommen: Späte Muttermilch
Flüssiger Samen, weiß, wer mit den Stones pubertierte
Dass Musik Sex ist, wie selten Befriedigung
Befreiung bleibt? Dass ich gerecht wär
Behaupt ich nicht – Wahrheit?

                                    MEIN BLICK DER VON UNTEN
                                    IN JEDER HINSICHT

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LESELISTE                                                                                          EMPFEHLUNGEN

    

Kernsätze zur Demokratie *

»Es ist das Zeichen einer wahren Demokratie, daß sie in Zeiten der Todesgefahr ihren Diktator findet. […] Wenn Deutschland anders handelt in der heutigen Lebensgefahr, wird es kaum wieder hochkommen.«

(Hugo Stinnes an den Reichsminister für Wiederaufbau Otto Gessler, 23. Januar 1920;  zitiert nach Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 3, S. 582)

 

»Rechts steht, dunkel und entschlossen, die Masse von Militärs und Geldleuten, die wissen, was sie wollen und wen sie wollen. Auf die Demokraten ist mit geringen Ausnahmen kein Verlaß. Das wackelt im Winde auf und nieder, berichtet schaudernd von den Taten des einen Hölz und weiß nichts von denen, die Hunderte von Offizieren dauernd begehen. Diese Demokratie hat einen doppelten Boden. Die rechtssozialistischen Arbeiter wachen langsam auf, ihre Führer in den Ämtern schlafen.«

(Kurt Tucholsky: Die Mordkommission, 1920; zitiert nach Gesammelte Werke

in 10 Bänden, Band 2, Reinbek bei Hamburg 1960 S. 340)

 

»Es genügt nicht, Demokratie zu predigen, es genügt nicht, sie zu verkünden und zu beschließen, es genügt nicht, ihre Verwirklichung den ›Vertretern‹ des Volkes in den Vertretungskörperschaften anzuvertrauen. Die Demokratie muss sofort aufgebaut werden, von unten her, durch die Initiative der Massen selber, durch ihre aktive Teilnahme am gesamten staatlichen Leben, ohne ›Überwachung‹ von oben, ohne Beamte.«

(Wladimir Iljitsch Lenin: Der Kongress der Bauerndeputierten, 1917; Werke, Band 24, Berlin 1959, S. 156)

 

»Wir unterschieden stets den sozialen Kern von der politischen Form der bürgerlichen Demokratie, wir enthüllten stets den herben Kern der sozialen Ungleichheit und Unfreiheit unter der süßen Schale der formalen Gleichheit und Freiheit – nicht um diese zu verwerfen, sondern um die Arbeiterklasse dazu anzustacheln, sich nicht mit der Schale zu begnügen, vielmehr die politische Macht zu erobern, um sie mit neuem sozialem Inhalt zu füllen.«

(Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution, 1918; Gesammelte Werke, Band 4, Berlin 1979, S. 363)

 

»Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?«

(Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper, 1928; zitiert nach Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Erster Band: Stücke 1, Frankfurt am Main 1997, S. 267)

 

»Suchen wir den Schlüssel zum Verständnis der heutigen Macht-Elite im Politischen, so liegt er im Niedergang der Politik als einer echten öffentliche Debatte alternativer Entscheidungsmöglichkeiten, bei der politisch konsequente und der ganzen Nation verantwortliche Parteien, desgleichen unabhängige, die niederen mit den höheren Ebenen der Verwaltung verknüpfende Organisationen unentbehrlich sind. Das heutige Amerika ist weit mehr eine formale politische Demokratie als eine demokratische Gesellschaftsform […] Das Anwachsen des Regierungsapparates mit all seinen Dienststellen und wirtschaftlichen Behörden zur Überwachung der komplizierten wirtschaftlichen Verhältnisse bedeutet keineswegs nur eine ›Vergrößerung der Verwatung‹ als einer Art autonomer Bürokratie: Es bedeutet vielmehr den Aufstieg der Männer der Großindustrie zur politischen Herrschaft.«

(C. Wright Mills: Die amerikanische Elite. Gesellschaft und Macht in den Vereinigten Staaten, 1956; zitiert nach der Übersetzung von Hans Stern, Heinz Neunes und Bernt Engelmann, Hamburg 1962, S. 304)

 

Der Präsident der Ford Motor Company, Robert McNamara, wechselte in die Politik. In seiner Zeit als US-›Verteidigungsminister‹, ab 1964 wird Vietnam bombardiert. Militärische Einsichten hat er im Zweiten Weltkrieg unter General LeMay bei der Luftwaffe gesammelt; er entwarf mathematische Modelle für die Bombardierungen japanischer Städte, die dazu dienten, Brandbomben in ihrer Wirkungskraft bei gleichbleibenden Kosten zu erhöhen 1 1; in einem Filmgespräch bekennt McNamara 2, sein General und er wären als Kriegsverbrecher angeklagt worden, wenn die USA 1945 verloren hätten. 

 

 »Die Demokratisierung mit ihrer vollen Informationsfreiheit und ihrem freien Wettbewerb soll unserem ideologischen Leben (den Gesellschaftswissenschaften, der Kunst, der Propaganda) die nötige Beweglichkeit und den schöpferischen Charakter zurückgeben, sie soll den bürokratischen, an ein bestimmtes Ritual sich klammernden, dogmatischen, offiziell-heuchlerischen und uninspirierten Lebensstil beseitigen, der sich jetzt in unserem ganzen Lebensbereich so breit gemacht hat.«

(Andrej Dimitrijewitsch Sacharow, Übersetzung zitiert nach: Stellungnahme,

Wien-München-Zürich 1974, S. 71)

 

»Die repräsentative Demokratie bezeichnet eine demokratische Herrschaftsform, bei der politische Entscheidungen und die Kontrolle der Regierung nicht unmittelbar vom Volk, sondern von einer Volksvertretung, zum Beispiel dem Parlament, ausgeübt werden.

Bürgerinnen und Bürger treffen politische Entscheidungen nicht selbst, sondern überlassen sie auf Zeit gewählten Vertretern, die für sie als Stellvertreter tätig sind. Die Bürger beteiligen sich aber [!] an Wahlen und wirken in Parteien, Verbänden und Initiativen mit.

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine repräsentative Demokratie. Gegenteil der repräsentativen Demokratie ist die direkte Demokratie.«

(Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags; abgerufen am 27 Juni 2018 https://www.bundestag.de/service/glossar/glossar/R/repraes_demo/247326)

 

* Demokratie, man beachte, ist nicht einmal als Wort im Grundgesetz der BRD enthalten.