IM GEGENWIND

Kernsätze zur Demokratie *

»Es ist das Zeichen einer wahren Demokratie, daß sie in Zeiten der Todesgefahr ihren Diktator findet. […] Wenn Deutschland anders handelt in der heutigen Lebensgefahr, wird es kaum wieder hochkommen.«

(Hugo Stinnes an den Reichsminister für Wiederaufbau Otto Gessler, 23. Januar 1920;  zitiert nach Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 3, S. 582)

 

»Rechts steht, dunkel und entschlossen, die Masse von Militärs und Geldleuten, die wissen, was sie wollen und wen sie wollen. Auf die Demokraten ist mit geringen Ausnahmen kein Verlaß. Das wackelt im Winde auf und nieder, berichtet schaudernd von den Taten des einen Hölz und weiß nichts von denen, die Hunderte von Offizieren dauernd begehen. Diese Demokratie hat einen doppelten Boden. Die rechtssozialistischen Arbeiter wachen langsam auf, ihre Führer in den Ämtern schlafen.«

(Kurt Tucholsky: Die Mordkommission, 1920; zitiert nach Gesammelte Werke in 10 Bänden, Band 2, Reinbek bei Hamburg 1960 S. 340)

 

»Wir unterschieden stets den sozialen Kern von der politischen Form der bürgerlichen Demokratie, wir enthüllten stets den herben Kern der sozialen Ungleichheit und Unfreiheit unter der süßen Schale der formalen Gleichheit und Freiheit – nicht um diese zu verwerfen, sondern um die Arbeiterklasse dazu anzustacheln, sich nicht mit der Schale zu begnügen, vielmehr die politische Macht zu erobern, um sie mit neuem sozialem Inhalt zu füllen.«

(Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution, 1918; Gesammelte Werke, Band 4, Berlin 1979, S. 363)

 

»Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?«

(Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper, 1928; zitiert nach Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Erster Band: Stücke 1, Frankfurt am Main 1997, S. 267)

 

»Suchen wir den Schlüssel zum Verständnis der heutigen Macht-Elite im Politischen, so liegt er im Niedergang der Politik als einer echten öffentliche Debatte alternativer Entscheidungsmöglichkeiten, bei der politisch konsequente und der ganzen Nation verantwortliche Parteien, desgleichen unabhängige, die niederen mit den höheren Ebenen der Verwaltung verknüpfende Organisationen unentbehrlich sind. Das heutige Amerika ist weit mehr eine formale politische Demokratie als eine demokratische Gesellschaftsform […] Das Anwachsen des Regierungsapparates mit all seinen Dienststellen und wirtschaftlichen Behörden zur Überwachung der komplizierten wirtschaftlichen Verhältnisse bedeutet keineswegs nur eine ›Vergrößerung der Verwatung‹ als einer Art autonomer Bürokratie: Es bedeutet vielmehr den Aufstieg der Männer der Großindustrie zur politischen Herrschaft.«

(C. Wright Mills: Die amerikanische Elite. Gesellschaft und Macht in den Vereinigten Staaten, 1956; zitiert nach der Übersetzung von Hans Stern, Heinz Neunes und Bernt Engelmann, Hamburg 1962, S. 304)

 

Der Präsident der Ford Motor Company, Robert McNamara, wechselte in die Politik. In seiner Zeit als US-›Verteidigungsminister‹, ab 1964 wird Vietnam bombardiert. Militärische Einsichten hat er im Zweiten Weltkrieg unter General LeMay bei der Luftwaffe gesammelt; er entwarf mathematische Modelle für die Bombardierungen japanischer Städte, die dazu dienten, Brandbomben in ihrer Wirkungskraft bei gleichbleibenden Kosten zu erhöhen 1 1; in einem Filmgespräch bekennt McNamara 2, sein General und er wären als Kriegsverbrecher angeklagt worden, wenn die USA 1945 verloren hätten. 

 

 »Die Demokratisierung mit ihrer vollen Informationsfreiheit und ihrem freien Wettbewerb soll unserem ideologischen Leben (den Gesellschaftswissenschaften, der Kunst, der Propaganda) die nötige Beweglichkeit und den schöpferischen Charakter zurückgeben, sie soll den bürokratischen, an ein bestimmtes Ritual sich klammernden, dogmatischen, offiziell-heuchlerischen und uninspirierten Lebensstil beseitigen, der sich jetzt in unserem ganzen Lebensbereich so breit gemacht hat.«

(Andrej Dimitrijewitsch Sacharow, Übersetzung zitiert nach: Stellungnahme, Wien-München-Zürich 1974, S. 71)

 

»Die repräsentative Demokratie bezeichnet eine demokratische Herrschaftsform, bei der politische Entscheidungen und die Kontrolle der Regierung nicht unmittelbar vom Volk, sondern von einer Volksvertretung, zum Beispiel dem Parlament, ausgeübt werden.

Bürgerinnen und Bürger treffen politische Entscheidungen nicht selbst, sondern überlassen sie auf Zeit gewählten Vertretern, die für sie als Stellvertreter tätig sind. Die Bürger beteiligen sich aber [!] an Wahlen und wirken in Parteien, Verbänden und Initiativen mit.

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine repräsentative Demokratie. Gegenteil der repräsentativen Demokratie ist die direkte Demokratie.«

(Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags; abgerufen am 27 Juni 2018 https://www.bundestag.de/service/glossar/glossar/R/repraes_demo/247326)

 

* Demokratie ist nicht einmal als Wort im Grundgesetz der BRD enthalten.

 

Marohn über Marohn

VERMUTUNGEN

 Dass ich gerecht wär, behaupt ich
Nicht – Wahrheit
Macht glücklich?

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 Im April [1945] hatte ich geschrieben: „In Deutschland wird niemand kapitulieren.“ […] Kein einziges Regiment, kein einziges Städtchen, das sich wenigstens in letzter Minute noch gegen die faschistischen Rädelsführer erhoben hätte. Ein deutscher Spaßvogel meinte später, die roten Gardinen seien überall heil geblieben, dafür habe es keine Laken mehr gegeben […] In Berlin aber […] ergab sich Haus um Haus. Veteranen, die noch das Reich der Hohenzollern erlebt hatten, von billiger Romantik verführte Schüler, SS-Leute, die Angst vor der Vergeltung hatten, schossen aus Fenstern, von den Dächern herab auf sowjetische Soldaten. Die faschistischen Anführer aber fielen in ihren bombensicheren Luftschutzkellern von einer Hysterie in die andere, oder setzten sich, verkleidet und geschminkt, nach Westen ab.

    (Ilja Ehrenburg: Menschen Jahre Leben, Memoiren Band III)

LESELISTE                                                                                          EMPFEHLUNGEN

           

DDR-Bücher und Autoren

Unabhängig von der Frage nach dem ›Bleibenden‹, wurden in und zu der DDR, die vierzig Jahre existierte, höchst lesenswerte Texte und ›Nachschriften‹ verfasst. Hier sehr subjektive Empfehlungen:

  • Werner Bräunig           Rummelplatz (1967, veröffentlicht 2007) 
  • Volker Braun                Unvollendete Geschichte; Lyrik der 1970er Jahre
  • Thomas Brasch            Vor den Vätern sterben die Söhne (Westberlin 1977)
  • Johannes Bobrowski   Sarmatische Zeit; Schattenland Ströme (1961-1963); Levins Mühle (1964)
  • Oliver Bukowski          Bis Denver (1996); Nichts Schöneres! (1997)
  • Franz Fühmann           Vor Feuerschlünden (1982); Das mythische Element in der Literatur (1974)
  • Uwe Greßmann          Der Vogel Frühling (1966)
  • Peter Hacks                 Essays, v. a. Die Maßgaben der Kunst (1977-2003)
  • Werner Heiduczek     Tod am Meer (1977)
  • Christoph Hein           Der fremde Freund (1982)
  • Stephan Hermlin       Essays, v. a. Lektüre (1974-1997); Abendlicht (1979)
  • Stefan Heym              Die Schmähschrift (1970, DDR 1974); König David Bericht (1970, DDR 1973)
  • Wolfgang Hilbig         Stimme Stimme (DDR 1983); Frühe Erzählungen
  • Sarah Kirsch               Zaubersprüche (1973); Musik auf dem Wasser (1977); Erdreich (BRD 1982)
  • Monika Maron           Flugasche (BRD 1981)
  •  Heiner Müller            Die Umsiedlerin; Philoktet; Der Auftrag; Anatomie Titus Fall of Rome;   diverse Interviews und Äußerungen
  • Dieter Noll                 Die Abenteuer des Werner Holt (1960)
  • Ulrich Plenzdorf       kein runter kein fern (1978)
  • Manja Präkels           Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß (2017)
  • Brigitte Reimann     Franziska Linkerhand (1974, vollständige Ausgabe 1998); Tagebücher (erste Auswahl DDR 1983)
  • Andreas Reimann   Lyrik der 1970er Jahre, v. a. Die Weisheit des Fleischs (1976)
  • Ludwig Renn            autobiografische Prosa
  • Eugen Ruge              In Zeiten des abnehmenden Lichts (2013)
  • Klaus Schlesinger    Berliner Traum (1977)
  • Lutz Seiler                 Kruso (2014)
  • Erwin Strittmatter   Der Wundertäter III (1980)
  • Fred Wander            Der siebente Brunnen (1971)
  • Maxi Wander           Guten Morgen, du Schöne (1977); Tagebücher und Briefe (1979)
  • Christa Wolf             Nachdenken über Christa T. (1969); Essays, v. a. Der Schatten eines Traumes